Das Leben ist wie ein Buch. Momentan wie eines von Samuel Beckett. „Warten auf Godot“ ist nicht nur der Inbegriff des absurden Theaters, es ist auch ein Stück über den Verlust der Sprache.
Sozusagen als kleine Auffrischung für alle, deren Schulzeit schon etwas länger zurückliegt oder die mangels Präsenzunterrichtes einiges verpasst haben: zwei Landstreicher warten auf einer Landstraße auf einen ihnen irgendwie nur wage bekannten Dritten. Warum wissen sie eigentlich nicht, und was sie mit ihm zu besprechen haben, schon gar nicht.
Und, kommt Ihnen das bekannt vor? Übersetzen lässt sich das wie folgt. Wir, die Landstreicher, warten auf einen Dritten, der ein bisschen wie eine Impfdosis aussieht und uns ins wirkliche Leben zurückbegleiten soll.
Warum das bislang noch nicht passiert, da fehlen uns die Worte. Und schon sind wir beim absurden Theater und unserer Sprachlosigkeit. Das Theater um das Thema „Impfen“ ist dabei nicht das einzige Absurde. Denn das Absurde erleben wir tagtäglich auf vielfältige Weise. Da wird ein bürokratischer Akt benötigt, um zweiundzwanzig bürokratische Hindernisse abzuschaffen. Statt sie einfach abzuschaffen. Macht sprachlos, nicht wahr? Da wird den niedergelassenen Ärzten erst nach zähen Ringen die Kompetenz eingeräumt, eine Spritze fachgerecht anzusetzen. Da wird darüber diskutiert, ob es ein Ausgehverbot geben soll. Da wird der Präsenzunterricht mal hier, mal dort wieder aufgehoben, weil weder die Verwaltung noch die bestens bezahlten Lehrer es in den vergangene 18 Monaten geschafft haben, im zeitweise geöffneten Baumarkt Lüfter, Folie und Schrauben zu kaufen. Eine Bauanleitung für einfache, aber effektive Raumlüftung findet der für Computerunterricht weitergebildete Pädagoge übrigens im Internet. Da wird, an dieser Stelle sei hervorgehoben, dass wir im 21. Jahrhundert leben, über die Möglichkeit respektive Schwierigkeiten einer Impfbescheinigung in Form des digitalen Nachweises diskutiert. Zur Erinnerung die Stichworte Westeuropäische Kultur, Industrienationen, Wissenschaft und Innovationspotential. Absurditäten gibt es noch viel mehr.
Ganz besonders absurd und noch sprachloser macht aber die Erkenntnis, dass es immer noch Zeitgenossen gibt, die tatsächlich glauben, Covid sei so etwas wie ein politisches Mittel, das Volk zu unterdrücken, ja zu unterjochen. Darunter sind sogar Gehirnakrobaten, die am eigenen Körper (nicht aber am eigenen Geist) die Wucht des Virus erlebt haben. Die munter für die sogenannte Freiheit fechten, die darin besteht, auf Malle oder in Ägypten auf Teufel komm raus auch den letzten Rest celebraler Zellstrukturen zu vernichten. Die zuhauf ohne Maske und ohne Rücksicht ihrem Egoismus frönen. Und die besser doch unter sich blieben. Maximal zu zweit!
Womit wir elegant den Bogen zu Becketts „Warten auf Godot“ schlagen können. Denn da warten zwei auf einen Dritten, der nicht kommt. Womit die beiden Protagonisten sich beispielhaft an die bürokratische Vorgabe halten, maximal zwei Personen aus zwei verschiedenen Haushalten sind erlaubt. Ach, wäre das schön. Die eben angesprochenen Hirnakrobaten bleiben unter sich, verpesten maximal das eigene Umfeld und wir denkenden, empathischen Zeitgenossen bringen die Geduld, das Verständnis für die Fehler anderer sowie die Kraft auf, bei den letzten Metern nicht zu verzagen. Das dabei auch kritisiert werden darf und soll, ist demokratische Pflicht. Denn tatsächlich wird alles gut, wenn auch anders als bislang gewohnt.

Herzlichst
Ihr Stefan Hackenberg