Kinderbetreuung mit Familienanschluss: (v. l.) Jörn und Corinna Hornschuh, Patricia Drüner, Monika Stüven und Christine Sauer bieten Kindertagespflege bei sich zu Hause an Foto: Grotheer

BREMERHAVEN re ·
Berufstätig mit wechselnden Arbeitszeiten, alleinerziehend und auf Flexibilität angewiesen oder der Wunsch nach Kinderbetreuung in einer kleinen, familiären Gruppe. Es gibt für Mütter und Väter viele Gründe, sich für die Kindertagespflege zu entscheiden. Auf die Bedeutung dieses Betreuungsangebotes weist der Bundesverband für Kindertagespflege vom 3. bis zum 9. Mai mit einer deutschlandweiten Aktionswoche unter dem Motto „Gut betreut in Kindertagespflege“ hin. Daran beteiligt sich, pandemiebedingt ohne Präsenzangebote, aber mit einer kleinen Aufmerksamkeit für alle Kindertagespflegepersonen, auch der Fachdienst für Kindertagespflege in Bremerhaven.

Zum Magistrat der Stadt Bremerhaven gehörend und mit Sitz im Helene-Kaisen-Haus im Stadtteil Leherheide werden hier Beratung, Eignungsüberprüfung, Qualifizierung und Vermittlung koordiniert. „Kindertagespflege ist ein Betreuungsangebot, das dem Bildungsanspruch der Krippen gleichgestellt ist“, sagt Fachberaterin Julia Grauberger. Gemeinsam mit Edith Gronemeyer ist sie für diesen Bereich zuständig und betreut 17 Selbstständige in Bremerhaven. Die Ausbildungsinhalte werden den Kindertagespflegepersonen in Qualifizierungskursen vermittelt: „Die tätigkeitsvorbereitende Grundqualifizierung beinhaltet 160 Unterrichtseinheiten, die tätigkeitsbegleitende Grundqualifizierung besteht aus weiteren 140 Unterrichtseinheiten“, so die Fachberaterinnen. Betreut werden können in diesem Rahmen Kinder im Alter bis zu 14 Jahren.

Unterstützung gibt es auch während der Pandemie: „Eine fortlaufende Bezahlung bei Notbetrieb mit eingeschränkten Dienstleistungen ist für die Tagespflegepersonen durch die Stadt garantiert“, erläutert Edith Gronemeyer. Alle Betreuenden hätten bereits ein Impfangebot erhalten, zweimal pro Woche würden Corona-Schnelltests für die Gruppen zur Verfügung gestellt. Somit werde eine Gleichstellung zu anderen pädagogischen Fachkräften erreicht.

Die Einrichtung einer privaten Kindertagespflegestelle ist ein Schritt in die Selbstständigkeit, der vom Magistrat unterstützt wird: „Wir bekommen die Unfallversicherung zu 100 Prozent und die Krankversicherung zu 50 Prozent erstattet“, gibt Monika Stüven Beispiele. Sie ist seit 2005 mit „Monikas Schatzkiste“ selbstständig und hat ihre Entscheidung nie bereut. Christine Sauer wollte nach der Geburt ihres jüngsten Sohnes nicht in Vollzeit in ihren Beruf zurück und hat sich 2019 für die Qualifizierung zur Kindertagespflegeperson entschieden. Fünf Zweijährige betreut sie, neben ihrem Sohn, in ihrer Einrichtung „De lütten Padden“ aktuell. „Es war eine gute Entscheidung“, sagt auch sie. Patricia Drüner hat 2018 den Qualifizierungslehrgang absolviert und das „Indianerdorf Honigtau“ gegründet. In ihren privaten Räumlichkeiten, die sie wie alle Tagesmütter den Betreuungsbedürfnissen angepasst und liebevoll eingerichtet hat, betreut sie momentan fünf Kinder zwischen zwei und neun Jahren. Wichtig sei der Austausch untereinander, sagt Corinna Hornschuh. Sie hat ihre „Villa Sonnenhelden“ 2017 gegründet, hat selber fünf erwachsene Kinder und wird von Ehemann Jörn Hornschuh, der krankheitsbedingt zu Hause ist, unterstützt.

Zusammen mit zwei weiteren Tagesmüttern bilden die Frauen eine Turngruppe, die sich normalerweise einmal in der Woche mit den Kindern trifft und auch Ausflüge unternimmt. „Der Zusammenhalt zwischen uns hat uns gestärkt“, freut sich Patricia Drüner über den Austausch, gerade in der aktuellen Situation. Eine Existenzsicherung sei mit der Kindertagespflege auf jeden Fall möglich: „Man kann davon leben, auch ohne finanziellen Background“, sagt Monika Stüven und macht mit Blick auf den Anspruch der Ausbildung und die Professionalität der Betreuung deutlich: „Wir sind keine Kaffeeklatschrunde.“

Der nächste Qualifizierungskurs beginnt Ende August 2021. Interessierte können sich an den Fachdienst im Helene-Kaisen-Haus wenden. Die Ausbildung ist für Bremerhavener Bürger kostenlos. Weitere Informationen gibt es telefonisch unter (0471) 590 36 02 oder (0471) 590 36 03 oder per Mail unter julia.grauberger@magistrat.bremerhaven.de und edith.gronemeyer@magistrat.bremerhaven.de.