Mit Kühen kenne sie sich ja aus, meinte Barbara Otte-Kinast schmunzelnd, aber mit Taschenkrebsen? Dennoch hatte sie keine Berührungsängste Foto: tw

CUXHAVEN tw · Direkt aus dem Weser-Bergland kommend, weckte der Duft nach Fisch bei Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast fast so etwas wie Urlaubsstimmung. Am Donnerstag war sie auf Einladung der Fischwirtschaftlichen Vereinigung in Cuxhaven und konnte die Urlaubsstimmung bei einem kleinen Tête-à-tête mit einem Taschenkrebs noch ein paar Minuten genießen. Doch dann wurde wieder der Arbeitsmodus eingeschaltet, gab es doch vieles zu bereden, was den Mitgliedern der Vereinigung auf der Seele brannte. Und Otte-Kinast ahnte schon schmunzelnd, dass sie die Sorgen und Nöte in einer Art „Druckbetankung“ verab­reicht bekommen würde.
Ein Thema brennt den Fischern aktuell ganz besonders unter den Nägeln. Der Fangquotenstreit mit Norwegen, als Folge des Brexits. Ein Thema, das zeitgleich auch in Bremerhaven auf der Agenda stand. Ein Eklat, bei dem die Ministerin versprach, „für die Fischerei zu kämpfen. Sagen Sie uns alles, was wir wissen müssen, wir haben alle Ohren offen“. Denn sie war nicht allein nach Cuxhaven gekommen, sondern hatte ihre beiden „Fischfachmänner“ Dr. Jens Witte und Dr. Stephan Wessels mit an Bord.
Für die Fischwirtschaft der Europäische Union ist auch der Brexit-Vertrag für diesen Wirtschaftsbereich mit Hindernissen und Fallstricken gepflastert, aber im Fall Norwegen kommt es besonders dick, wie Horst Huthsfeldt von der Kutterfisch Zentrale und Samuel Rodriguez Ortega von der Deutschen Fischfang Union deutlich machten. Denn im Gegensatz zur EU konnten sich die Norweger und Briten nicht einigen. Um die fehlende Fangmenge aus britischen Gewässern auszugleichen hat Norwegen einseitig für sich die Fangquoten in seinen Gewässern erhöht. Was in einer geringeren Fischereimöglichkeit für die EU resultiert. „Aus unserer Sicht ein Bruch von Verträgen“, so Rodriguez Ortega, der in diesem Streit um Unterstützung der Politik bat. Denn es könne nicht sein, dass Norwegen als großer Exporteur Fisch nach Deutschland und die EU einführe, „denn wir nicht mehr fangen dürfen. Solche Importe sollte man nicht mehr zulassen“. Der Parlamentarischen Staatssekretär Enak Ferlemann signalisierte Unterstützung, gab aber auch zu bedenken, dass dies ein Problem sei, das auf EU-Ebene gelöst werden müsse.
Etwas Positives gab es jedoch auch zu berichten, mit einem Wermutstropfen. Die Weiterführung der Grenzkontrollstelle in Cuxhaven (siehe Bericht Seite 7). „Etwas fehlt aber noch“, so Axel Stahlbuck vom Cuxhavener Kühlhaus. „Wir wissen nicht, wie wir den Schwarzen Heilbutt nach China bekommen“. Das Problem: Durch den Wechsel der Zuständigkeit der Grenzkontrollstelle vom Land Bremen zum Landkreis Cuxhaven verlangt China eine neue Unterschriftenliste der jetzt zuständigen Veterinäre. Und diese ist von dort noch nicht abgesegnet. Doch es zeichnet sich eine Übergangslösung ab, wie Dr. Witte aufzeigte. Den Fisch mit einem Umweg über das Niedersächsische Kühlhaus in Wilhelmshaven nach China bringen oder – was den Verantwortlichen in Cuxhaven lieber wäre – über Bremerhaven, da hier die Wege kürzer sind, so Rodriguez Ortega. Allerdings gestalten sich hier die Verhandlungen schwieriger, da es sich um ein anderes Bundesland handelt.
Eine Öffnung der Grenzkontrollstelle auch für andere Güter über gefrorenen Fisch hinaus fordert Marcus Braue, Niederlassungsleiter Cuxhaven bei DFDS Germany. Denn durch den Brexit wird die Einfuhr auch von anderen Gütern aus Großbritannien erschwert. „Wir werden das sehr eng begleiten und unterstützen“, versprach die zuständige Dezernentin Babette Bammann. Sie machte aber auch deutlich, dass dies eine langwierig Sache sei.
Ihr Hilfsangebot verdeutlichte auch Otte-Kinast zum Abschluss. „Scheuen Sie sich nicht uns anzusprechen. Was wir machen können, wollen wir machen. Und für alles andere sind wir gut nach Berlin und Brüssel vernetzt“, betonte sie.