Daniela Behrens (m.) mit ihren Gesprächspartnerinnen Foto: tw

CUXHAVEN tw · Sommerferien sind auch die Zeit der Sommertouren. Und so schaute am Freitag letzter Woche die niedersächsische Gesundheits- und Sozialministerin Daniela Behrens vorbei. Beim Besuch der Helios Klinik ging es vor allem um das Ausbildungszentrum, das hier vor zwei Jahren an den Start ging. Dabei war zu erfahren, dass der Pflegeberuf immer noch hauptsächlich von Frauen dominiert wird. „Als wir uns in der Chefetage unterhielten, waren die Frauen auf einmal weg“, so Oberbürgermeister Uwe Santjer beim anschließenden Termin in der IHK-Geschäftsstelle Cuxhaven. Hier erwartete sie nicht nur Geschäftsstellenleiter Philipp Rademann, sondern vor allem Unternehmerinnen und Unternehmensvertreterinnen, um mit der Ministerin über Frauennetzwerke und Frauen in Führung zu sprechen. Und beim letzten Punkt scheint sich wenig bis gar nichts getan zu haben, so das Fazit des Termins.

Dabei fehle es vor allem den jungen Frauen nicht an Selbstbewusstsein, wie die Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof und Landestourismus Ute Mushard vom Ferienhof Katthusen aus eigener Erfahrung aus ihrem Familienumfeld berichten konnte. Sie kämen topp ausgebildet aus der Ausbildung oder dem Studium und müssten sich beim Bewerbungsgespräch mit Sätzen wie „Sie gehen ja jetzt in die Familienphase“ rumschlagen. „Und am Ende bekommt der Mann mit der schlechteren Note den Job.“

„In den letzten 30 Jahren hat sich in den entscheidenden Fragen wenig geändert“, bestätigte Daniela Behrens. Dabei gebe es bei den Frauen in keinem Bereich Leistungsdefizite, bis auf einen Punkt – dem Netzwerken. Einer der auf keinem Fall außer Acht gelassen werden dürfe. „Denn die Wahl auf einen Bewerber fällt nicht im Auswahlgespräch sondern abends an der Theke.“

Früher kein Freund der Quote, ist Daniela Behrens deshalb zu der Überzeugung gelangt, „dass wir bestimmte Bereiche nicht der Freiwilligkeit überlassen dürfen. Denn wenn wir auf die Freiwilligkeit warten passiert nichts.“ Deshalb brauche es harte Instrumente. Nur das werde das Bild in der Wirtschaft verändern. „Denn Frauen brauchen auch Vorbilder um sich zu trauen.“

Doch es müsse auch die Frage diskutiert werden, wie man die Familienphase einordnet oder Führung definiert. Heißt Führung zwölf Stunden am Tag oder vielleicht doch etwas anderes? Vielleicht die Möglichkeit diese in Teilzeit zu organisieren. „In Deutschland eine undenkbare Debatte, obwohl es positive Beispiele gibt.“

Doch bei der Gleichberechtigung im Beruf geht es nicht nur um Aufstiegschancen, wie Behrens deutlich machte. Sondern auch um den gleichen Wert der Arbeit. „Es kann nicht sein, dass das Schrauben an Autos mehr Wert hat als das Erziehen von Kindern.“

Bei dem Thema Gleichberechtigung im Beruf weiß sie die IHK Stade mit der Geschäftsstelle Cuxhaven auf ihrer Seite. Wurde das Thema doch von der ehemaligen Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt ernst genommen, und unter anderem ein Frauen-Netzwerk an den Start gebracht. Das liege auch im Interesse der Wirtschaft, wie Rademann betonte. Und das schon aus ganz profanen Gründen. Denn „damit die Fachkräftesicherung gelingt, müssen wir das Potenzial ausschöpfen“. Das sieht auch OB Santjer so: „Wir brauchen eine Stadt, in der die Aufstiegs­chancen für alle gleich sind.“

Auf den Weg dorthin hatte Katja Cordes, Geschäftsführerin des Eventkontors Cuxhaven, einen Rat: „Verstellt euch nicht. Sagt dass ihr gut seid. Und habt den Mut euch selbst wichtig zu nehmen.“