Günter Wichert möchte in Berlin Wirtschaft und Gesellschaft stärken und nicht gegeneinander setzen – der Liberale ist Betreiber von „Ebbe und Flucht Escape Cuxhaven“ und ließ sich vor Ort ablichten Foto: sh

LANDKREIS sh · Geboren in Recklinghausen und somit schon „Lebenserfahrung“ mit einem großen Fluss, in dem Falle dem Rhein, zog es den gelernten Kaufmann Anfang der 2000er zuerst an die Weser, dann an die Elbe. Politisch schon immer interessiert, fand er ab 2007 seinen Weg in die FDP. „Der Leidensdruck auch regional etwas zu verändern, vor allem das Tempo für die Entwicklung“ haben ihn bewogen, sich auch parteipolitisch einzubringen. Zuerst in Bremerhaven, wohin es ihn aus dem Ruhrgebiet kommend direkt verschlagen hatte. Zusammen mit seiner Familie wechselte er von der Weser an die Elbe, da er auch beruflich neue Wege beschritt. So gründete er Mitte 2019 die Novument UG | Zero Was­te Entertainment, Cuxhaven, bei der er auch Geschäftsführer ist. Für einen, der als Kaufmann im Veranstaltungsbereich seit Jahren tätig ist, ein logischer Schritt. Schon 2013 hatte er die Veranstaltungsagentur Günter Wi­chert Konzepte gegründet sowie 2015 die Escape-Räume Ebbe und Flucht in Cuxhaven aufgebaut. Seine berufliche Leidenschaft gilt „der Planung und Durchführung von Schulungen zum Thema nachhaltige Veranstaltungskonzepte zur Schärfung des kollektiven Blicks auf die Umwelt.“ Tempo legt er auch parteipolitisch vor. Seit 2020 ist er Stellvertretender Vorsitzender der FDP Cuxhaven. „Ich engagiere mich in und für die FDP, weil sie genau für diese meine Sichtweise und politische Einstellung steht.“
Als Familienvater von drei Kindern weiß der Eigentümer einer Veranstaltungsagentur genau, was schnelle Entwicklung bedeutet. So setzt er grundsätzlich auf Tempo. Wirtschaftlich sowieso, wo er in der Klimakrise ein großes Potential sieht. Und gesellschaftlich, in dem er auf die Wahrung oder Wiederherstellung der demokratischen Grundrechte pocht. In Zeiten der Pandemie sind die ja vielfach stark eingeschränkt worden. Darüber hinaus seien diese Grundrechte von der Verfassung geschützt, und deshalb dürfe beispielsweise beim Stichwort Impfpflicht auch kein gesetzlicher Druck in Zeiten von Corona ausgeübt werden. „Ich glaube, der Mensch ist lernfähig“, und deshalb könne der für sich selbst entscheiden.
Die Demokratie allerdings sieht er nicht gefährdet, weder durch die Bürokratie des Staates noch durch Einzelne, die sich gesellschaftlich isolieren. Zwar sei Bürokratie häufig ein echtes Ärgernis, aber dass Bürokratie ein Demokratie-Vernichter sei, das sehe er nicht. Zuletzt, so räumt er ein, hat er den bürokratischen Apparat in Impfzentren als Hürde empfunden. „Elf verschiedene Formulare für eine Spritze“, das sei schon mehr als störend. Und warum man für eine Passverlängerung oder die Anmeldung eines Fahrzeuges in heutigen Zeiten noch den Marsch durch die Ämter antreten muss, sei „kaum verständlich.“ Was auch seinen Einsatz für eine schnellere und effektivere Digitalisierung unterstreicht.
Bei der Frage, was denn für ihn zutreffender sei, gleicher Lohn für gleiche Arbeit oder gleicher Lohn für gleiche Leistung seine eindeutige Meinung: Arbeit sei Leistung und deshalb gelte beides. Das könne man nicht voneinander trennen. Leistung sei das Ergebnis von Arbeit und wer arbeite, leiste dementsprechend auch.
Nachdenklich betrachtet Günter Wichert den deutschen Parlamentarismus. Zu große Parlamente schienen mutlose Parlamentarier zu kreieren, so seine Befürchtung. Ein immer größer werdendes Parlament möchte er mit einer „echten“ Wahlrechtsreform verhindern. Dass ein Bundespolitiker auch regional etwas bewirken sollte, sei klar. „Schließlich werde ich von den Menschen einer Region gewählt, also muss ich auch deren Interessen im Blick behalten.“ Auch in Sachen EU hat Günter Wichert eine klare Meinung. Sie sei als Wirtschaftsunion entstanden, heute jedoch durchaus auch eine Werteunion. „Wirtschaft schafft Werte“ so seine Überzeugung.
Zwiegespalten ist er in dem Punkt gedrucktes Wahlprogramm. „Die FDP ist die Partei der Digitalisierung“. Also könne man auf ein gedrucktes Programm verzichten. Er selbst biete Wählern, die auf ein solches Programm Wert lägen, an, es sich von ihm zuschicken zu lassen oder selbst aus dem Internet auszudrucken.
Ganz eindeutig seine Haltung bei der angeblichen Überfremdung der deutschen Kultur: „Gibt es nicht, ist Quatsch.“ Was überhaupt deutsche Kultur sei, müsse erstmal geklärt werden. Günter Wichert verweist in solchen Momenten wie selbstverständlich auf Verwandtschaft und Freunde mit Migrationshintergrund.
Als Politiker sei er es gewohnt kontrovers zu diskutieren. Argumente austauschen, Positionen einnehmen, Sichtweisen zu verstehen. Eine Debatte zu führen sei Leidenschaft und somit auch ein Grundpfeiler der liberalen Demokratie. Dazu gehöre allerdings auch Mehrheiten zu akzeptieren, die nicht immer dem eigenen Standpunkt entsprechen müssen. Was er ablehnt sind persönliche Angriffe. Was klar wird, wenn er zu seinen politischen Mitbewerbern befragt wird. „Inhaltliche Auseinandersetzung immer gerne“, aber Bashen gehört nicht zu Günter Wicherts Repertoire.
Der Wusch an eine gute Fee ist eindeutig. Eine Biosphärenregion schaffen, das könne er sich gut vorstellen. In der würden Wirtschaft und nachhaltige Ressourcenpflege miteinander wirken. Auch könne er sich nach dem Beispiel des Ihlienworther Landfrauenmarktes einen solchen Markt für Städte grundsätzlich vorstellen. Je nach Stadt dann nur noch etwas größer, wie dann beispielsweise für Cuxhaven. Unter dem Motto „Nicht Verbote, sondern Angebote“ würden gute Politik ausmachen, vervollstän­digt Günter Wichert den Satz „Denk ich an Deutschland in der Wahlnacht…“ mit „bin ich sehr erleichtert“.