Auf der Rundtour durch Oberndorf erfuhren die Jurymitglieder aus erster Hand was in Oberndorf auf die Beine gestellt wird, wie etwa auch die Projekte der Kiwitte, einem kostenlosen Nachmittagsprogramm für Kinder und Jugendliche, zu dem auch der Jugendkutter „Onkel Ernst“ gehört Foto: tw

OBERNDORF tw · „Stoh fast, kiek wiet un rööch di!“ Das Oberndorfer Motto „Steh fest, guck weit und beweg dich!“ gibt punktgenau das Lebensgefühl der Einwohner wieder. Bekannt für ihre Innovationskraft und ihr Engagement wurde der Ort als einzige Gemeinde in Niedersachsen vom Landwirtschaftsministerium in Hannover für die Bewerbung um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2020 vorgeschlagen, der alle zwei Jahre vergeben wird. „Das ist wie ein Sechser im Lotto“ freut sich Bürgermeister Detlef Horeis. Zusammen mit Bert und Marlene Frisch, Barbara Schubert, Claudia Möller-Lemke und vielen anderen, die sich im Ort engagieren, begrüßte er am Montag mit Tanja Mayer und Hartwig Wetschko zwei Mitglieder der Jury, die sich vor Ort einen Eindruck von Oberndorf machten.
Barbara Schubert, die vor rund 15 Jahren gegen den Trend von Hamburg nach Oberndorf zog gab einen kleinen Überblick über die Gemeinde, das ehrenamtliche Engagement und die Projekte, wie etwa „Hallo Nachbar“, die Kombüse 53° Nord oder die freie Grundschule. Aus eigener Erfahrung als Zugezogene erzählte sie begeistert von den „herzlichen, offenen Menschen, die einen willkommen heißen“. Was Tanja Mayer und Hartwig Wetschko nur bestätigen konnten. „Wir sind begeistert, wie wir hier aufgenommen wurden. Man spürt die Sympathie, die die Menschen ausstrahlen“.
Bei einem über drei stündigen Rundgang konnten sie sich von den Vorzügen Oberndorfs überzeugen, zu denen auch „die Bereitschaft gehört sich zu verändern“, wie Klaus-Dieter Karweik vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium betonte und hinzufügte: „Es ist die Beteiligung aller, die zum Erfolg führt.“ Ein Loblied, in das Lienhard Varoga vom Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg mit einstimmen konnte: „Was sie hier machen und leben, macht uns fröhlich.“
„Ziel des Wettbewerbes ist es, Landgemeinden in ihrem Engagement zu bestätigen, zu weiteren Aktivitäten zu motivieren und den Erfahrungsaustausch mit anderen ländlichen Gemeinwesen in Europa zu fördern. Darüber hinaus wollen wir Dörfer und Regionen zur Nachahmung anregen, die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der ländlichen Regionen der europäischen Öffentlichkeit bewusst machen und nicht zuletzt auch Europas Zusammenwachsen stärken“, erläutert die Geschäftsführerin der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Theres Friewald-Hofbauer in einer Presseerklärung.
„Lokale Antworten auf globale Herausforderungen“ ist das Motto des im Herbst 2019 ausgelobten Preises, der coronabedingt immer wieder verschoben wurde. Bereits im Februar 2020 wurden nach intensiven Vorbereitungen die Bewerbungsunterlagen bei der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung in Pixendorf/Österreich eingereicht. Insgesamt 26 Gemeinden aus zwölf Ländern bewerben sich um den Preis. Jetzt fanden die letzten Vorort-Besuche statt. Ende September setzt sich die Jury in München zur Entscheidung zusammen. Die Preisverleihung findet im Mai 2022 in der Gemeinde Hinterstoder (Österreich) statt, die den Europäischen Dorferneuerungspreis 2018 gewinnen konnte. Den erfolgreichsten Teilnehmern winkt ein Eintrag auf einer Online-Roadmap der besten Dorf- und Gemeindeentwicklungsprojekte Europas. Bis dahin bleibt den Oberndorfern nur eins: Geduld bewahren und fest die Daumen drücken.