„Unsere gemeinsame Botschaft heißt Einheit“

Synagogensommerfest der Jüdischen Gemeinde Bremerhaven

BREMERHAVEN tw · „Wir wollen Frieden für alle, wir wollen Frieden, Frieden, Frieden für die Welt“, sang Gerd Blanke begleitet von Anke Behrens am Akkordeon und Mircea Ionescu am Cello zur Einstimmung auf das Sommerfest der Menorah-Jüdischen Gemeinde Bremerhaven am Sonntag in der Synagoge am Kleinen Blink. Begeistert wippten die Besucher mit, die zuvor von Landesrabbiner Netanel Teitelbaum mit einem fröhlichen „Bruchim Habaim. Herzlich Willkommen“ zum Sommerfest oder auch Neujahrs­empfang begrüßt wurden. „Mitte September passt beides“, so Teitelbaum, denn morgen beginnt das jüdische Neujahr Rosch ha-Schana. Und für das neue Jahr wünschte Teitelbaum allen Frieden und die Erfüllung gemeinsamer Ziele und Wünsche. Drei Tage vor Rosch ha-Schana sei der wichtigste Gedanke nicht, „wie wir in einer Gesellschaft miteinander umgehen, in der alles okay ist, sondern in der es Probleme gibt“. Es gelte Schwierigkeiten gemeinsam anzugehen. „Unser Ziel, unsere gemeinsame Botschaft heißt Einheit. Das heißt nicht, dass ich denken muss wie der andere“, betonte er. „Einheit bedeutet, dass ich mit dem anderen Leben kann, auch wenn er etwas anderes mitbringt.“
Eingeladen hatten das Rabbinat des Landes Bremen, die Menorah-Jüdische Gemeinde Bremerhaven e.V. und die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Bremen/Unterweser e. V.. Auf Wünsche der Zukunft ging Mircea Ionescu, 1. Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, in seiner Begrüßung ein: die Gründung eines Kindergartens und eines Seniorenheims nach jüdischen Regeln. „Schwer zu realisieren, aber nicht utopisch.“ Ein Wunsch geht allerdings schon jetzt in Erfüllung – die Gründung des Menorah-Chores, geleitet von der Sängerin und Gesangspädagogin Renate Priebe, bei dem jeder, der Spaß am Singen hat, mitmachen kann. Interessierte erhalten unter (0471) 489 93 21 oder menorah.gemeinde@gmx.de weitere Informationen.
In seiner Rede ging Ionescu aber auch auf einen unerfreulichen Aspekt ein, den mit Hammerschlägen schwer beschädigten Gedenkstein vor der alten Synagoge. Mitte August hatte ein offensichtlich psychisch kranker Mann die Tat begangen. Ionescu, fragt sich aber auch, warum der Mann die Schläge mit einem schweren Hammer ausschließlich gegen den Gedenkstein und sonst nichts in der Umgebung richtete und hofft auf eine Antwort. Zugleich plädiere die Jüdische Gemeinde dafür, den Gedenkstein beschädigt zu lassen, „als Mahnung, als Realität“.
Realität ist auch, dass laut der Expertenkommission „Antisemitismus“ des deutschen Bundestags der israelbezogene Antisemitismus mit 40 Prozent in Deutschland weit verbreitet ist, wie Dr. Hermann Kuhn, Vorsitzender der DIG Bremerhaven/Unterweser aufzeigte. Und das obwohl die Israelis „in einem überwältigendem Maß, das an Wunder grenzt, ihren Frieden mit den Deutschen gemacht haben. Umgekehrt ist das leider so nicht der Fall“, sagte er. „Israel sei die Hauptgefahr für den Weltfrieden. Die Israelis, die Juden, seien die Nazis von heute“, seien einige der weitverbreiteten Auffassungen und Antisemitismus als bloße Kritik am Staat Israel getarnt. Kritik, die sich leicht an den sogenannten „drei D“ erkennen ließen: Dämonisierung, Delegitimierung und doppelter Standard. Die Grenze zwischen Kritik und Antisemitismus aufzuzeigen sei wichtig, „weil sich sonst das Gift des Antisemitismus unter neuem Namen wieder ausbreitet. Und das gefährdet nicht nur die Jüdinnen und Juden, sondern den Zusammenhalt unserer Gesellschaft insgesamt“.
Deshalb ging Kuhn auch auf die Boykottbewegung gegen Israel BDS ein, „die Sanktionen gegen Israel unter absurden und abenteuerlichen Anschuldigungen erreichen will“. Auch in Bremen sei eine solche Gruppe aktiv, die unter unterschiedlichem Etikett in öffentlichen Räumen auftrete. Er appellierte an das Land und die Städte im Land Bremen, die Praxis zu überdenken und genauer hinzusehen. „Die Stadtverwaltungen von München und Frankfurt haben bereits beschlossen, jede direkte oder indirekte Unterstützung von Boykott-Gruppen einzustellen. Das ist nachahmenswert.“
Zudem ging er auf die Pläne des SV Werder Bremen ein, im Iran ein neues Geschäftsfeld zu eröffnen. Ihm sei bekannt, dass es in der iranischen Bevölkerung einen Hunger nach Kontakten, nach Öffnung und Normalität gäbe. Aber Werder Bremen müsse wissen, dass er es mit einem Staat zu tun hat, der den Staat Israel vernichten will und der unter anderem seinen Sportlern kategorisch verbiete, gegen einen jüdischen Spieler anzutreten, egal wo auf der Welt. „Wenn der Verein sein Vorhaben nicht mit klaren Prinzipien und Aussagen startet, dann beugt er sich einem staatlich verordneten Antisemitismus. Und das wäre ein Desaster!“