Wenn Stimmen Räume füllen

Fort Kugelbake perfekt für Literaturfest Niedersachsen

CUXHAVEN sh · Da passte wirklich alles. Der Raum, das Thema und die Mitwirkenden. Das Literaturfest Niedersachsen hatte sich in diesem Jahr für das Fort Kugelbake als Veranstaltungsort entschieden. Kein Wunder, ging es doch um Räume. Vorzugsweise geheimnisvolle Räume. Noch genauer, geheimnisvolle und verschlossene Räume.
Heiko Postma, freier Publizist, Schriftsteller und Übersetzer hatte vier Geschichten im Gepäck, die von den Schauspielern Kathrina Spiering und Mathias Herrmann meisterlich in Auszügen vorgetragen wurden. Dass es dem einen oder anderem Besucher dabei mulmig wurde, war durchaus beabsichtigt. Denn bei seiner Einführung hatte Postma schon darauf hingewiesen, dass es um Texte aus zwei literarischen Genres ginge. Denn sowohl Detektivgeschichten als auch unheimliche Geschichten, neudeutsch sogenannte Horrorgeschichten, brauchen und gebrauchen vor allem eines. Einen geschlossenen Raum, aus dem es kein Entrinnen gibt.
Postma hatte für die Lesung wahre Klassiker ausgesucht. Eröffnet wurde der Trip ins Geheimnisvolle mit dem 1907 von Gaston Leroux geschriebenen Roman „Das gelbe Zimmer“. Leroux schildert die Aufklärung eines Mordes, beim dem der Täter aus einem von außen verschlossenen Raum fliehen kann, ohne gesehen zu werden. Unheimlich wurde es bei der zweiten Erzählung. Da trieb eine Nonne ihr Unwesen, sehr zum Leidwesen des Helden der Geschichte. Perceval Landoms Erzählung „Thurnley Abbey“ von 1908 macht aus einem furchtlosen, realitätsbewussten Großwildjäger ein zitterndes menschliches Wrack.
Um die Besucher des Festivals wieder ein wenig in die Realität zurückzuholen, wechselte Postma zurück zum Detektivroman. In Gilbert K. Chestertons Father Brown-Story „Das Orakel des Hundes“ von 1926 zeigt der geistliche Detektiv, wie man einen Mordfall sozusagen aus dem Sessel heraus löst. Es reicht die bekannt englische Kombinationsgabe à la Sherlock Holmes. Die letzte Geschichte hatte es dann nochmal in sich. Die Beschreibung, wie ein Mensch sich selbst in den Wahnsinn treibt, hat Charlotte Perkins Stetson in ihrer Tagebuch-Erzählung „Die gelbe Tapete“ von 1892 so gekonnt beschrieben, dass den Besuchern im Fort Kugelbake mehr als nur ein Schauer den Rücken herablief. Gut, dass im Anschluss an die letzte Geschichte von der Bibliotheksgesellschaft Cuxhaven, der Nordseeheilbad Cuxhaven sowie dem Veranstalter VGH Stiftung noch zu einer Art Beruhigungstrunk gebeten wurde.

 

 

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