Aus der Irritation durch Irritation

Ausstellung im Schloss zeigt Werke von Lothar Bührmann

Lothar Bührmann (m.), hier zusammen mit Bürgermeister Herbert Kihm (r.) und Laudator Rainer Schoßig (l), irritiert auf positive Weise mit seinen Werken Foto: sh

CUXHAVEN sh · Wenn eine Ausstellung den Titel „Weiter!Wohin?“ trägt, darf man sich schon vor dem ers­ten Augenschein der Bilder seine Gedanken machen. „Gewollt“, sagt der Künstler Lothar Bührmann. Denn seine Arbeiten irritieren, seien es die Cartoons oder die großen, auf und aus verschiedensten Materialien erstellten Werke. Einige Motive, Themen und manchmal „nur“ Impressionen brachte er von Reisen mit. Diese Reisen müssen nicht körperlich an fremde und ferne Stätten geführt haben, sie können auch gedankliche Exkursionen in Wissenschaft und Literatur gewesen sein. Wie anders kämen sonst Werke zustande, die sowohl eine Eintrittskarte zum dem schrecklich geendeten Konzert im Bataclan mit christlich wirkenden Motiven von bunten Fenstern oder Teppichen kombiniert. Oder wo die Buchstaben N, S und U mit dunkler, brauner Hintergrundfarbe sofort mit einer Mord- und Terrorserie der jüngsten deutschen Geschichte und der unseligen deutschen Vergangenheit geistig verbunden werden. „Weiter!Wohin?“ fragt sich nicht nur der Künstler in diesem Moment.
Ähnlich wie in den großformatigen, mit einer eigenen Maltechnik erstellten Werken ist die Frage von Widerspruch und Unsicherheit auch in seinen jüngsten Cartoons zu finden. Der klassisch-politische Cartoon wird hier mit Piktogrammen auf das Wesentliche reduziert – und so frisch und modern der Gedankenwelt des Betrachters dargeboten. Es wirkt ein wenig wie Kunst 4.0 und ist alles andere als eine Anbiederung an den Zeitgeist. Sie fordern mit ihrer Reduktion auf das Wenige zum geistigen Füllen der Leere auf. Sie sind schlicht gesagt irritierend.
Lothar Bührmann ist kurz nach dem Krieg in Bremen geboren und hat in den sechziger und siebziger Jahren dort auch an der Akademie für Gestaltung studiert. Bis 2007 hat er als Kunsterzieher in Verden gearbeitet und konzentriert sich seit dieser Zeit ganz auf die Kunst. Er ist seit 2005 Künstlerischer Leiter der Villa Ichon in Bremen und seit 2006 Künstlerischer Berater für Sonderausstellungen im Hafenmuseum Speicher XI, ebenfalls in Bremen. Die Ausstellung „Weiter!Wohin?“ ist noch bis zum 1. Juli im Schloss Ritzebüttel zu sehen.

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